Die Durchführung des Projektes
In einer auf zwei Jahre angelegten Zusammenarbeit zwischen der Justizvollzugsanstalt für Frauen Berlin und der Jugendstrafanstalt Berlin entstand das Musical EastWestSideStory. Das Projekt zeigte exemplarisch, dass gemeinsame künstlerische Arbeit von Jugendlichen den schwierigen Prozess ihrer Auseinandersetzung mit eigener und fremder Gewalt begleiten und zu nachhaltig positiven Ergebnissen führen kann.
Nach der Vorlage von „Romeo und Julia“, und ausgehend von eigenen Erfahrungen, wurden die Szenen von den Jugendlichen analysiert und interpretiert, um sie danach in ihre Sprache, Musik und soziokulturellen Kontexte zu übertragen. Das Projekt wurde medienpädagogisch und therapeutisch begleitet.
Persönliche Treffen der beiden Gruppen kamen für Stückplanung und Aufführungen selten und nur entsprechend der Haftbedingungen in Frage. Die Kooperation zwischen den beiden Theatergruppen in den Haftanstalten wurde daher vor allem durch die Projektmitarbeiter/-innen, über Internet-Kommunikation und durch den Austausch von Videoszenen organisiert.
Durch Aufführungen in den Justizvollzugsanstalten, durch kleine Filme und durch den Soundtrack wurde die EastWestSideStory sowohl anderen Gefangenen als auch Menschen außerhalb der Mauern nahe gebracht.
Die EastWestSideStory setzte auf eine Kombination von Theater und Musik. Ähnlich wie in der West Side Story von Leonard Bernstein, wurde „Romeo und Julia“ an einen anderen Ort, in moderne Sprache und in Musik umgesetzt. Die Inszenierung enthielt einige Shakespearesche Originaltexte. Jedoch entstand der Stücktext überwiegend im Laufe der Produktion und unter Einbezug der jugendlichen Strafgefangenen. Die Texte veränderten sich, wurden biografischer und sprachlich moderner: Die Thematik Shakespeares wurde in Jugendsprache übersetzt und gewann somit an Authentizität und Ausdruckskraft.
Die Musik wurde gemeinsam von Musikern und Jugendlichen entwickelt. Ein Songthema wurde bestimmt, und die Jugendlichen erarbeiteten den entsprechenden Text sowie die dazugehörige Melodie mit den Musikern.
In der Inszenierung wurde besonderer Wert darauf gelegt, sich möglichst nah an der Lebensrealität der Jugendlichen zu bewegen. Ihr Verständnis für das Stück und dessen zentrale Themen Angst, Wut, Trauer und Liebe wurde so zum Ausgangspunkt für die Entwicklung.
Neben den Schauspieltrainings wurde die Arbeit durch weitere Aktivitäten ergänzt, die immer wieder neue Brücken zwischen dem Stück und seinen Themen, der Lebenswelt der Jugendlichen und dem ganzen Team bauten. Die therapeutische Begleitung ermöglichte beispielsweise eine kontinuierliche Reflexion aller Beteiligten und ein gutes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz im Team und zur gemeinsamen Arbeit.
Als ergänzende weitere Aktivitäten fanden statt: Einzelgespräche, Film-Workshop, filmische Aufnahmen, Gesangsworkshops, Konflikttrainings, medienpädagogische Arbeitsgemeinschaften, in denen gemeinsam mit den Jugendlichen die Projekthomepage www.eastwestsidestory.de entstand, sowie ein Workshop mit der Musikerin und Moderatorin Mo Asumang zu den Themen Fremdenfeindlichkeit, Toleranz und Demokratie.
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